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  • Thilo Muster

Interne Orgelpräsentation

Am 11.08. fand die interne Präsentation der neuen Orgel für die Mitglieder der Casino-Kommission und der Kommissionen des Vereins Neue Orgel Stadtcasino Basel (VNOSB) und des Trägervereins des Orgelfestivals Verein Orgel im Konzertsaal (VOK) durch Markus Grütter, Präsident des VNOSB; Andreas Metzler, Orgelbauer; Babette Mondry (Expertin) und Thilo Muster (Experte) statt. Es wurden neben Improvisationen Werke von Theo Wegmann, Sigfrid Karg-Elert und Alexandre Guilmant aufgeführt.

Fotos: © Michael Klahre, Maja Preiswerk, Roman Weyeneth


Jürg Erni, Journalist und externer Berater für das Orgelprojekt hat einen enthusiastischen Bericht verfasst, den wir hier gerne wiedergeben:

Unsere neue Musiksaal-Orgel – Ein Geschenk meisterlicher Orgelbauer


Es war ein bewegender Moment, als sich am Abend des 11. August 2020 Orgelbauer Andreas Metzler im Stadtcasino Basel an seine Orgel setzte und zu den ersten Tutti-Akkorden in die Tasten der drei Manuale und ins Pedal griff. Eine „Vorstellung der Klangfarben der Orgel“ war ausgedruckt. Daraus wurde eine über halbstündige, meisterliche Demonstration des klangfarblichen wie dynamischen Reichtums, aus dem das neue Instrument im edel restaurierten Musiksaal schöpft. Die wundersamsten Orgelklänge zauberte der Orgelbaumeister in seiner ersten öffentlichen Improvisation, indem er wie ein Magier die kühnsten Melodien und Harmonien intonierte und die Qual der Wahl seiner 56 Register überwand.


Eine solch organistisch breite Auslegeordnung des vielfältigen Klangkatalogs hatte der für seine Akustik weltberühmte Musiksaal noch nie gehört! Die herrlichsten Schattierungen vom Hell-Dunkel eines chiaroscuro bis zum grellen Licht im vollen Plenum gab die noch ungekrönt konzertante Königin preis und enthüllte damit ihre hinter dem prachtvoll in Goldblatt restaurierten Prospekt verborgene Schönheit wie sie sich in Rückerts von Clara Schumann und Gustav Mahler vertontem Gedicht „Liebst Du um Schönheit“ offenbart. Die reinste Liebeserklärung der Orgel berührte die Sinne labial wie lingual und hauchte den Stimmen der Pfeifenreihen den langen Atem ein ganz nach des Psalmisten Gebot „Alles was Odem hat...“


In der Gewürzschublade des modularen SBS-Bussystems rührten bald der Orgelheld bald die Orgelheldin ihr Elixir mit geheimnisvollen bis übermächtigen Klangmixturen. Thilo Muster brachte in Theo Wegmanns Tuba-Stössen die Mauern des hehren Musiksaals zum Erzittern, während bei Karg-Elert die geheimnisumwitterte Seele des Bodensees in Pastellfarben klangmalerisch sanft auf Wellen und Wogen ritt. Babette Mondry berauschte sich virtuos und leichtfüssig in Guilmants Erster Orgelsonate, dieser französischen Sinfonik par excellence. Aus der Froschperspektive des Parketts schienen ihre Füsse auf dem Pedal förmlich zu tanzen, nachdem sie manualiter an dem auf Balkonhöhe angebauten Spieltisch der winddynamischen Orgel, diesem Erstling der experimentellen Klangästhetik in einem Konzertsaal, mit Atemstössen und Tonreibungen neues Leben einzuhauchen verstand.


Die Offenbarung einer neuen Orgellandschaft auf dem Orchesterpodium beflügelte die eigene Fantasie und trieb Freudentränen in die Augen. Ein Jahrhundertereignis, das beim Orgel-Festival an zwei Wochenenden im September nachklingen wird. Selbst der gestrenge Casino-Kommissionspräsident Christoph Gloor fand gebührende Worte des Dankes für das gelungene Werk, das den Erbauern hinter dem denkmalgeschützten Gehäuse den Schweiss aus den Poren getrieben hat. Auf der Plakette am Spieltisch ist unter dem Firmen-Name Metzler denn auch der derjenige der Basler Firma Orgelbau Klahre eingraviert, die neben der Bewältigung der Schwierigkeiten beim Zusammenbau von Orgelwerk und Spieltisch-Elektronik auch die Planung und Leitung des Orgelprojekts übernommen hat.


Wir gratulieren herzlich zu dieser Geburt, bei der die schöne Orgel das Licht der Musiksaalwelt erblicken durfte! Möge sie länger leben als ihre Vorgängerin, die nach einem halben Jahrhundert bereits ausgedient hatte und nun andernorts in kirchlicher Obhut ihren Dienst leistet!


Jürg Erni

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